Die Verbindung von Atem und Nervensystem

Der Atem hat einen großen Einfluss auf Dein Nervensystem. Und vice versa, denn unser Nervensystem übernimmt das Atmen, weshalb die Atmung oft unbewusst stattfindet. Mit Atemübungen kannst Du über das vegetative Nervensystem unterschiedliche Zustände produzieren: Du musst nur das Zusammenspiel der beiden verstehen. Dann bist Du in der Lage, je nach Bedarf, unterschiedliche Zustände zu produzieren. Ausgleich, Entspannung, oder Aktivierung, was darf es heute sein? 

Das Nervensystem
Atem und Nervensystem haben eine sehr interessante Verbindung. Das Nervensystem unterteilt sich in zwei Bereiche. Mithilfe des zentralen Nervensystem (ZNS) und des peripheren Nervensystem (PNS) steuert und kontrolliert das Gehirn sämtliche Vorgänge im Körper. Ein Teil des peripheren Nervensystems ist autonom, also nicht willentlich kontrollierbar. Dieses autonome Nervensystem (ANS) steuert alle internen Prozesse wie z.B. Herzschlag, Verdauung und Atmung. Es ist unterteilt in Sympathikus (Leistungszustand) und Parasympathikus (Entspannung, Ruhe- und Erholungsnerv). Beide sind Gegenspieler und im Idealfall im Gleichgewicht. Der Ursprungsort dieser Systeme befindet sich im Gehirn. Über unsere Nervenbahnen werden die Informationen dorthin gebracht, wo sie wirken sollen, nämlich zu den Organen. 

Sympathikus als Platzhirsch
Die moderne Lebensweise erzeugt Stress – das ist unvermeidbar und im richtigen Verhältnis auch gut. Problematisch wird es, wenn ein konstantes Stresslevel ständig den Sympathikus aktiviert. Der Sympathikus wird dann zum Platzhirsch und gewinnt die Oberhand gegenüber dem Parasympathikus, der für die Entspannung steht. Der Sympathikus steht für den Leistungszustand und bewirkt bei besonderer Belastung (Stress) eine Leistungssteigerung des Organismus. Alle Energie wird darauf verwendet, aktiv zu sein. Der Sympathikus ist dafür verantwortlich, dass wir in bedrohlichen Situationen kämpfen oder fliehen können. Der Körper schüttet zum Beispiel Adrenalin und Cortisol aus, fährt das Herz-Kreislauf-System hoch, beschleunigt den Atem und erhöht die Muskelspannung. Stress ist ein Überlebensprogramm. Das ist der „Fight or Flight Modus“: er schützte schon unsere Vorfahren vor Gefahren. Heute erwarten uns die „Überlebenskämpfe“ im Job und auch schon mal private Herausforderungen, unser vegetatives Nervensystem wird durch einen oft nicht gesunden Lebenswandel und der stetig wachsenden Geschwindigkeit des modernen Lebens gestresst. Der Parasympathikus, der die wichtigen Körperfunktionen der Regeneration und den Aufbau von Energiereserven nach einem Leistungszustand – sprich in der Entspannungsphase – reguliert, wird nicht mehr genügend aktiviert. So kommt es schnell zu einem Ungleichgewicht mit negativen Auswirkungen auf Körper und Geist.

Fun Fact: Der Parasympathikus bewirkt, dass wir uns gut und entspannt fühlen – er sorgt dafür, dass man(n) eine Erektion bekommt. Sind wir aber gestresst, haben wir keine Lust auf Sex. Der Sympathikus steht nur für die Ejakulation (aktiver Part) – nicht für das, was uns Lust macht 🙂

Wie Atemübungen dem Parasympathikus helfen
Du musst nur noch eins und eins zusammenzählen: Mit Atemübungen kannst Du diesem Prozess entgegenwirken. Das Nervensystem arbeitet zwar autonom, doch über Deine Handlungen kannst Du bewusst Einfluss darauf nehmen. Ein ruhiger und tiefer Atem beeinflusst Dein Nervensystem und aktiviert den Parasympathikus als wichtigen Gegenspieler zum Sympathikus. Regelmäßig und bewusst angewendet bringst Du so Dein Nervensystem durch Entspannung und Ruhe ins Gleichgewicht. Ein probates Mittel gegen chronischen Stress und zur Prävention der dadurch möglichen gesundheitlichen Folgen.

Normale Atmung vs. Yoga Vollatmung 
Zum Schluss ein kleines Rechenbeispiel: Mit einer normalen unbewussten Atmung und einem Rhythmus von zwei Sekunden für Ein- und Ausatmung (Ratio 1:1), atmest Du 15 Atemzüge pro Minute. Wenn Du (zum Beispiel mithilfe der Wechselatmung) Deinen Atem bewusst steuerst und lernst „zu verlängern“, indem Du 10 Sekunden einatmest und 20 Sekunden ausatmest (Ratio 1:2), sind das zwei Atemzüge pro Minute. Im Vergleich sind das 15 Atemzüge (normale Atmung) zu zwei Atemzüge (verlängerte Atmung) pro Minute. Welcher Atemrhythmus wirkt wohl beruhigender auf Dein Nervensystem?

Fazit
Mithilfe von Atemübungen wird Dein Atemmuster ruhiger und tiefer und Du wirkst so unmittelbar und positiv auf Dein Nervensystem ein. Flache, schnelle und unrhythmische Atemmuster des „gestressten Zivilisationsmenschen“ gehören dann schnell in die Vergangenheit. Du wirst Dich körperlich wie geistig ausgeglichener fühlen und mehr positive Energie in Deinem Alltag verankern. Atemübungen sind das ideale Anti-Leistungsprogramm für leistungsorientierte Menschen.

Veröffentlicht von Marvin Braun

PRO YOURSELF - Fitness, Yoga, Whatever!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: