10 Tipps für den Start in Deine Atempraxis

Atemübungen sind grundsätzlich leicht zu erlernen. Doch ich erlebe regelmäßig, dass anfänglich gute Ansätze schnell verloren gehen. Disziplin ist das Stichwort. Dran bleiben, vor allem an Tagen an denen Du überhaupt keine Lust oder viel Stress hast. Oft werden aber auch kleine Unsicherheiten zu Hürden. Nach dem Motto „bevor ich etwas falsch mache, lasse ich es lieber“. Das soll Dir nicht passieren – Hier sind 10 Tipps zur Entwicklung deiner eigenen Atempraxis.

Warum sind Praxistipps so wichtig?

Durch meine täglichen Coachingeinheiten entstehen viele praxistaugliche Erkenntnisse. So wächst man als Privatmensch und als Trainer. „Warum habe ich das nicht gleich so gemacht?“ oder „Jetzt verstehe ich, wie ich das einfacher weitergeben kann“ sind rückblickend betrachtet die wertvollen Momente. Eine kontrollierte und tiefe Atmung bekommst Du nicht über Nacht. Es bedarf einige Stunden der Übung und Selbstreflexion. Ich persönlich sitze nahezu täglich auf der Matte und praktiziere Atemübungen. Es ist ein laufendes Selbstexperiment. Mit der Zeit lernt man, was einem gut tut, versteht technische Details besser, spürt was funktioniert und was man nicht so mag. Mit diesen Praxistipps möchte ich Einsteigern helfen, einen guten Start in die Atempraxis zu bekommen. 

#1 Kickstart mit Disziplin
Mehr Grundregel als Tipp. Bei allem, was Du neu erlernen willst, ist eine gewisse Ausdauer nötig. „Dran bleiben“ gilt selbstverständlich auch für Atemübungen. Als Faustformel zum Start: 2-3 Wochen mit einem Rhythmus von 4-5 mal pro Woche. Je mehr Du davon schaffst, umso besser für Dich. Die Wirkungen von Atemübungen wollen gespürt, nicht verstanden werden. Ohne diese Beharrlichkeit wirst Du es schwer haben, die Kraft der Atemübungen zu erfahren. 

#2 Atemübungen sind kein Leistungssport
Der Atem soll fließen. Wenn er „stolpert“ oder nicht tief und lang genug ist, versuche nicht, mit Kraft oder Druck zu arbeiten. Das Ego bringt Dich nicht weiter. Bleib locker und übe weiter mit einer entspannten Geisteshaltung. Der Atem ist der Spiegel zu Deiner Seele. Er ist eng mit unseren Emotionen verknüpft: Du kannst durch ihn direkt Einfluss nehmen auf deinen seelischen Zustand. Lerne, zuzuhören und zu beobachten.

#3 Finde Deine Zeit
Suche dir einen Zeitpunkt aus, der sich für eine regelmäßige Atempraxis eignet. Helfen Dir Atemübungen am Morgen klarer in den Tag zu starten? Oder besser am Abend nach einem arbeitsintensiven Tag zur Entspannung und Erfrischung Deiner Zellen mit neuer Energie? Probiere verschiedene Zeiträume und finde es heraus.

#4 Störungsfreie Umgebung schaffen
Smartphone und Co. ausschalten. Immer wieder erlebe ich in der Zusammenarbeit mit Kunden, dass das Smartphone mit einem „eMail-Ton“ die letzten Minuten in Entspannung und Konzentration unterbricht. Auch solltest Du Dir einen ruhigen Platz suchen und gegebenenfalls Lebenspartner und Familienmitglieder über Deine Atempraxis informieren.

#5 Bewegung vor dem Atmen
Leichte Bewegung hilft Dir, dich auf die nachfolgende Atmung zu konzentrieren. Nach der Geschäftsreise direkt in den Sitz und atmen? Gute Idee, aber mach vorher ein paar lockere Bewegungen. Der Einstieg über den Körper in Deine Atempraxis wird Dir leichter fallen. Durch lockere Bewegungen wie Stretchings kommst Du besser in eine gute Sitzposition, Dein Körper wird aufgewärmt und die Konzentration auf nachfolgende Atemübungen wird leichter.

#6 Finde Deine Sitzposition
Steife Hüften, verkürzte Muskeln. Die meisten Sitzathleten sind – höflich formuliert – nicht die beweglichsten Menschen. Stundenlange Schreibtisch-Arbeit, Bewegungsmangel und körperlicher bzw. geistiger Stress hinterlassen Spuren. Jetzt sollst Du für Atemübungen idealerweise in einem stabilen, möglichst bewegungslosen Sitz verharren und Dich auf die Atmung konzentrieren. Wenn es nach ein paar Minuten „zwickt und zieht“ hast Du ein Problem. Die Lösung: Finde eine Sitzposition, in der Du 10-15 Minuten bequem und ohne Schmerzen sitzen kannst. Nutze zur Unterstützung Kissen, Decken, Yogablöcke, o.ä. und mach es Dir so bequem wie möglich.

#7 Zwei Atemtechniken zum Start 
Konzentriere Dich auf die Basis. Es gibt Atemtechniken in unzähligen Variationen, da verliert man schnell den Überblick. Ist das Interesse erstmal geweckt, möchte man am liebsten alle Techniken ausprobieren und  deren Effekte kennenlernen. Das führt aber zu nichts: Konzentriere Dich zum Start auf zwei grundlegende Atemübungen, wie z.B. die Yoga Vollatmung und die Wechselatmung. Mit diesen zwei kraftvollen Instrumenten baust Du Dir ein solides Fundament.

#8 Frustfaktor Ablenkung 
Der Geist ist ein sehr sprunghaftes „Wesen“. Du wirst manchmal schon nach wenigen Sekunden abschweifen und über alle möglichen Themen nachdenken. Besonders an stressigen Tagen scheint geistige Ruhe fast unmöglich. Der unruhige Geist wird immer wieder deine Aufmerksamkeit und deinen Körper bewegen wollen. Nimm es locker und gib Dir etwas Zeit. Stabile Aufmerksamkeit will gelernt werden. Wenn Du gedanklich abschweifst, bring Deine Konzentration einfach immer wieder geduldig und ohne Selbstkritik zurück zum Atem. 

#9 Nasenatmung
Bitte immer durch die Nase ein- und ausatmen. Außer es wird bei einer Atemtechnik explizit darauf hingewiesen. Die Nase ist das Tor zu Deiner inneren Welt und reinigt die Atemluft für Deine Lunge. Durch die Nase atmen wir saubere, befeuchtete und warme Luft ein und schaffen somit die besten Bedingungen für unsere Lunge, den Blutkreislauf, das Zwerchfell und vieles mehr. Das ist auch im Alltag wichtig, zum Beispiel beim Schlafen. Wer zum „Mundatmen“ neigt, dem wird schnell auffallen,dass  Atemübungen helfen können, dieses ungesunde Atemmuster umzustellen

#10 Zentrierung und Endentspannung
Ankommen und Nachspüren ist Teil einer guten Atempraxis. Nimm Dir vor und nach den Atemtechniken jeweils 1-2 Minuten Zeit und lege Dich regungslos auf den Rücken. Spüre Deinen Atem, Deinen Körper und beobachte Deine Gedanken und Emotionen. So lernst Du die Wirkungen von Atemübungen auf Dein System besser einzuschätzen…und wertzuschätzen.  

Fazit

Ich bin sicher, dass Du von einer regelmäßigen Atempraxis im Alltag enorm profitieren kannst. Ich hoffe, die 10 Praxistipps helfen Dir, von Beginn an kleine Fehler zu vermeiden und Deinen eigenen „Flow“ zu entwickeln. Viel Spaß beim Üben!


Veröffentlicht von Marvin Braun

PRO YOURSELF - Fitness, Yoga, Whatever!

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